Die Erfahrung der Stille mit mir selbst

Die dritte Erfahrung, die ich hier teilen möchte, ist vielleicht die schönste und intimste Erfahrung. Den Impuls bekam ich durch einen Text von Anselm Grün. Er nennt die Zeit, mit sich selbst auch „heilige Zeit“, und schreibt in „Quarantäne! – eine Gebrauchsanweisung“: „Heilig ist das, was der Welt entzogen ist, worüber die Welt keine Macht hat. Die heilige Zeit ist also die Zeit, die ganz uns gehört (…).“ Es wird schon beim Lesen klar, dass hier ein Hinweis versteckt ist. Mich hat seine Sicht in Bezug auf die Macht aufhorchen lassen. In der Zeit, die mir selbst gehört, ermächtige ich mich meiner selbst. Mir wurde schlagartig klar, dass ich meine Macht abgebe, wenn ich mich mit Gedanken über Äußerlichkeiten beschäftige, die mich immer wieder überfallen, die Sorge um etwas oder um jemanden. Aber auch einfach nur das banale Wahrnehmen von Werbeschildern im Alltag.
Wie nun nehme ich mir meine heilige Zeit. Am besten dann, wenn niemand zu Hause ist, meine liebste Zeit. Das haben meine „Großen“ auch schon adaptiert und wir schicken uns gegenseitig auch mal weg. Dann ist es ganz still hier. Mit mir selbst zu sein, bedeutet für mich, mir bewusst zu sein: das ist jetzt meine Zeit, die ich nur mit mir selbst teile. Dabei kann ich mir einen Tee kochen, mir eine Kerze anzünden oder mich kleinmachen und unter eine Decke kuscheln, im Verborgenen sein, geschützt sein. Dann brauche ich mich nicht mit äußeren Dingen zu beschäftigen, kann mich selbst genießen. Dann komme ich tief mit meinem inneren Selbst in Kontakt, gehe mit mir in Resonanz, mit meinen Bedürfnissen mit meinen Wünschen und Träumen. Das erfahre ich als sehr heilsam, auch als ein-Stück-vollständiger-Werdens. „Die heilige Zeit ist immer auch eine heilsame Zeit. In der heiligen Zeit, da bin ich in Ruhe und die Ruhe ist in mir.“ (ebd.)
Es ist die Zeit mir selbst ein Geschenk zu sein.
