Manche Menschen werden erst durch Chaos kreativ. Du auch? Ich mag es, wenn sich feine Farbstaubschichten durch die Abnutzung von Pastellkreiden auf dem Tisch bilden. Mit jedem neuen Bild kommen neue Farben hinzu. Wozu also aufräumen? Dadurch entsteht eine anregende Umgebung – fast wird sie selbst zu einem Kunstwerk. Hier darfst du dich anregen lassen, dir Raum nehmen, um selbst zu den Farben zu greifen. Nur zu!
in einem meiner langjährigen Begleiter, dem Buch „Die Wolfsfrau“, finde ich eine meiner Lieblingserzählungen, sie erklärt die Dringlichkeit künstlerischen Schaffens recht eindrücklich.
DIE VIER RABBINER
EINES NACHTS wurden vier Rabbiner von einem Engel besucht, der sie aufweckte und auf seinen Schwingen in die Siebente Kammer des Siebenten Himmels trug. Dort erblickten die vier das Heilige Rad von Hesekiel mit den eigenen Augen. Auf dem Rückweg zur Erde jedoch verlor der erste Rabbiner bereits seinen Verstand, denn sein Geist war dermaßen von dem göttlichen Glanz geblendet worden, dass er fortan nur noch brabbelnd durch die Lande irrte. Der zweite Rabbiner zeigte sich unbeeindruckt und verleugnete ganz einfach, was er im Siebenten Himmel gesehen hatte. Er winkte nur ab und sagte: „Ach was, das haben wir doch bloß geträumt!“ Der dritte Rabbiner wurde fanatisch. Er hielt bald überall Vorträge über Sinn und Bedeutung seines Erlebnisses und stritt sich mit den anderen Gelehrten. Aber der vierte Rabbiner wurde zum Dichter. Er setzte sich an das Fenster seiner Kammer und verfasste ein Danklied nach dem anderen über die Tauben im Kirschbaum, die kleine Tochter in der Wiege und alle Sterne in der Nacht. Er als einziger konnte sein Glück ertragen.
Auch mir geht es so, dass ich nicht anders kann als mich künstlerisch auszudrücken. Manchmal muss ich richtiggehend danach suchen, was der richtige Ausdruck ist. Es lässt sich manchmal nicht in einer Bildsprache in Farben ausdrücken, oder in Formen, sondern in einem Text:
Gesunde Erde unter meinen Füßen
Stille lauschen
Himmel und Weite in meinem Herzen Gesunde Erde unter meinen Füßen, dass sich meine Wurzeln räkeln und strecken bis in den letzten Zipfel meines Wesens,
dass ich in den Stürmen des Lebens Gelassenheit bin und meine Ideen hinauswachsen mit dem Sonnenschein, wie die Blätter an Ästen und Zweigen und Erfrischung und Abkühlung finde mit jedem Regentropfen
meine Arme weit hinausstrecke, dass ich Landebahn bin für sämtliche Wesen und Getier die Bienen wohlgemut in meinen Ohren summen und die Vögel mir von der weiten Welt erzählen
Himmel und Weite in meinem Herzen Gesunde Erde unter meinen Füßen
Oder wie ein Bild von Hilma Aff Klint mich animierte Neues zu formen
Ich mag die abstrakte Malerei Aff KLints (schwedische Malerin, 1862 – 1944) und die Vorstellung, dass sie ihre Bilder für zukünftige Generationen gemalt hat. Eines ihrer Werke: das Altarbild Nr. 1, Gruppe X von 1915 inspirierte mich für eine spielerische Neuzusammenstellung, ähnlich einer Collage.
Links: das Altarbild habe ich in einer Zeitschrift gefunden (Format A4); Mitte: die Formen auseinander geschnitten, gleich dem Prozess der Freisetzung zufällig, chaotisch auf einem A3 Blatt fallen lassen; Rechts: eine mögliche Neuorganisation.
Da die Formen nur gelegt sind, sind sie weiterhin beweglich und es können noch unzählige Varianten entstehen. Die Einzelteile können auch noch weiter zerschnitten werden.
Diese kleine Demonstration darf hier als minimale Anregung dienen, spielerisch kreative Neuorganisation zu üben! Für die kleine Kunst-Pause zwischendurch! Nur Mut!
Das kleine unverhoffte Glück liegt für mich in ganz alltäglichen Dingen, an denen ich mich erfreue, wenn ich aufmerksam durch die Welt gehe. Das sind vor allem kleine, fast beiläufige Naturerscheinungen, das besondere Licht, zum Beispiel, wenn Sonnenstrahlen durch die zahlreichen Blätter eines Astes fließen, die Blätter sich überlagern und verschiedene Grün- und Schattentöne bilden und durch leichten Windhauch flirren und Lichtfluten durch entstehende Lichtlöcher brechen.
Es sind aber auch die kleinen Zeichen, die Ja-sagen: wenn zwei Herbstblätter so schön nebeneinander auf dem Boden zu liegen kamen, dass sie sich berühren oder zwei Blumen nebeneinander wachsen und zusammenstehen. In diesen Bildern finde ich die Bedeutungen wieder, die für mich in meinem Leben von Wichtigkeit sind, Freundschaft, Liebe, Nähe, Geborgenheit, Einfachheit, Freude und Leichtigkeit.
Manchmal sind es auch stille Stimmungen, wie das tief stehende Wintersonnenlicht, welches auf frischen Schnee trifft: es lässt die Umgebung golden erscheinen und das leichte farbenfrohe Schneeglitzern erinnert an morgendlichen Raureif im Spätherbst. Es braucht Aufmerksamkeit, im Sinne von bewusstem Sehen, um die Umgebung in ihrer einfachen Schönheit wahrzunehmen. Dabei zählt, sich bestimmt vom Alltag loszulösen und sei es nur für eine Minute. mal einen anderen Weg einzuschlagen, um dem Unvorhersehbarem zu begegnen. Das ist kleines, unverhofftes Glück, ganz groß.
Rabindranat Tagore beschreibt es so (1928):
„Ich bereiste die ganze Erde, um die Flüsse und Berge zu sehen, und ich gab viel Geld aus. Ich unternahm große Anstrengungen. Ich sah alles, aber ich vergaß, gleich vor meinem Haus einen Tautropfen auf einem kleinen Grashalm zu sehen, einen Tautropfen, der in seiner Konvexität die ganze Welt um dich herum spiegelt.“
Im Kleinen das Ganze zu sehen und damit dem Kleinen einen vollen Wert beizumessen, das macht glücklich.
Hier möchte ich eine kleine Übung teilen, die Julia Cameron in „Der Weg des Künstlers“ beschreibt und die sich wunderbar in einen schöpferischen Alltag einfügt: Vielleicht magst du ihr einmal nachspüren. Beim Spazierengehen kannst du an jeder Weggabelung kurz verweilen und dich fragen: Welcher Weg zieht mich jetzt an? Manchmal ist es der vertraute Pfad, manchmal ein überraschenderweise ein anderer. Wenn du dich dabei von deinem Bauchgefühl leiten lässt, entsteht ein feines Training der Intuition – ein Dialog zwischen innerem Kompass und äußerer Bewegung. Bleibst du wach für das, was sich zeigt, öffnet sich vielleicht genau dort, wo du unerwartet abbiegst, ein kleiner Raum des Staunens: eine neue Perspektive, ein erhellender Gedanke, eine zufällige Begegnung, eine gewünschte Idee und sinnliche Erfahrungen. Fundstücke, die das eigene Leben bereichern und ergänzen.
Tashi de Leck! (Tibetischer Gruß) Viel Glück wünsche ich…!
Glück und Unglück, eine östliche Erzählung voller Weisheit, hier in einer kürzeren Version:
Eines Tages lief einem Bauern das einzige Pferd fort und kam nicht mehr zurück. Die Nachbarn hatten Mitleid mit dem Bauern und sagten: „Du Ärmster! Dein Pferd ist weggelaufen – welch ein Unglück!“Der Landmann antwortete: „Glück oder Unglück, wer weiß das schon?“
Eine Woche später kehrte das Pferd zurück und brachte ein Wildpferd mit in den Stall.„Wie wunderbar“, sagten die Nachbarn: „Erst läuft dir das Pferd weg – dann bringt es noch ein zweites mit! Was hast du bloß für ein Glück!“
Der Bauer wiegte den Kopf: „Glück oder Unglück, wer weiß das schon?“
Das Wildpferd wurde vom ältesten Sohn des Bauern eingeritten; dabei stürzte er und brach sich ein Bein. Die Nachbarn eilten herbei und sagten: „Wie schrecklich. Welch ein Unglück!Der Landmann gab zur Antwort: „Glück oder Unglück, wer weiß das schon?“
Kurz darauf kamen die Soldaten des Königs und zogen alle jungen Männer des Dorfes für den Kriegsdienst ein. Den ältesten Sohn des Bauern ließen sie zurück – wegen seinem gebrochenen Bein. Da riefen die Nachbarn: „Was für ein Glück! Dein Sohn wurde nicht eingezogen!“
Glück oder Unglück. Wer weiß das schon!
Diese beiden Monotypien sind vor einigen Jahren zu dieser Erzählung entstanden:
„Beziehungsstachel“ und „Inselglück„
Ja, es macht Sinn sich durch die eigene Biografie zu arbeiten und den Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Dadurch kann man den Wahrheiten manchmal besser in die Augen schauen und erkennen, dass es größere Zusammenhänge gibt und dass die Krise, so lang und endlos sie manchmal auch erscheinen mag, am Ende ein Geschenk in sich birgt, dass es zu entdecken gilt!
Manchmal brauche ich aber auch das Glück für mein Wohlbefinden. Wenn die Tage hektisch sind und die Aufgaben nicht so recht gelingen wollen, suche ich bewusst nach einem Ausgleich.
Den finde ich dann oftmals in meinem Garten, wo Blumen stehen, das Gemüse wächst und die Bienen herrlich summen. Die Fülle die mich erwartet, wenn ich meinen Garten betrete, die schenkt mir Zufriedenheit und Glück. Es ist große Dankbarkeit, die ich gegenüber meiner Gartennatur wahrnehme. Es ist als spüre ich ebenso die Dankbarkeit der Blumen und Pflanzen gegenüber meiner Großzügigkeit, dass sie an ihrem frei gewählten Standort wachsen dürfen oder auch für die eine oder andere Erfrischung als die Frühsommertage trocken und sonnig waren.
In solchen Momenten gibt mir mein Garten ganz viel zurück, es ist mir manchmal, als würden die Blüten genau mir ihre Köpfe entgegen strecken, weil sie mir sagen wollen, dass ich meinen Teil beigetragen habe, dass ich Teil bin an ihrem Erblühen. Diese Schönheit berührt mich und lässt all die Alltagssorgen vergessen. Es ist das Glück der Fülle und der gegenseitigen Dankbarkeit, dass ich hier spüre. Dann fehlt es mir an nichts. Dann bin ich glücklich.
Dabei gehe ich nicht einfach so durch meinen Garten, nein, ich bleibe stehen hier und da und spüre, nehme war, höre zu und berühre diese Pflanze oder jene. Und wenn ich still, lauschend und beobachtend auf diesem kleinen Flecken Erde stehe, habe ich auch schon so manch seltenes Tier entdeckt.
„Dankbarkeit steht für eine Kultur der Erneuerung und Gegenseitigkeit, in der Reichtum bedeutet, dass genug zum Teilen da ist, und Wohlstand in für beide Seiten heilsamen Beziehungen gemessen wird. Außerdem macht sie uns glücklich.“ Robin Wall Kimmerer, Geflochtenes Süßgras
Manchmal muss man etwas tiefer graben, um den Ursprung eigener Freude und des eigenen Glücks zu erkunden. Dabei helfen Fragen wie: Was schenkt mir wirklich Freude? Wann fühle ich mich lebendig und glücklich? Welche inneren Bilder tauchen dabei auf? Wenn ich meinen Antworten aufmerksam folge, schaffe ich kleine Momente in meinem Leben, die mich nähren und glücklich machen. Ich beginne sie bewusst zu würdigen! Mit der Zeit werde ich achtsamer für das, was ich jetzt gerade empfinde, während ich es erlebe. Mein Körper speichert diese feinen Erinnerung und kann leichter zu ihnen zurückfinden. Dann kann es auch schon mal passieren, das sich diese kleinen Glücksmomente wie von selbst vermehren!
Wenn du magst, kannst du selbst einmal nachspüren, was deine inneren Bilder dir zeigen und überlegen welchen kleinen Schritt du heute in deinem Alltag gehen könntest, um dich mit einer kleinen Freude zu beschenken!
„Was man in der Kindheit liebt, bleibt für immer im Herzen.“
Du bist schön. Irgendwo in deinem Inneren bist du schön, wunderschön. Womöglich unendlich schön. Und leuchtend. Ja, du BIST schön.
Tief in deinem Inneren bist DU schön. Doch es ist nicht dein Name, der dich schön macht. Nicht dein Auto macht dich unwiderstehlich, nicht deine Position in deinem Job. Es ist nicht die Marke deiner Sonnenbrille, dein Glitzersteinchen auf deinen Fingernägeln, es sind nicht deine ultralangen Wimpern, die verlockend aufschlagen, auch nicht dein neues Teil. Nein, nicht deine ständige Erreichbarkeit, und das neueste Smartphone machen dich schön. Dein Joint mag dich wild und frei erscheinen lassen, denkst du, aber es ist nur ein Bild und nicht jedes Menschen Geschmack. Es ist nicht Dein Push-up, der deinen Busen in eine ansehnliche Höhe hebt, oder der Sport, den du bis zur Erschöpfung betreibst, es ist auch nicht deine Kahlrasur, weder deine glatt glänzende Männerbrust, weder die, auf deinem Kopf, noch die, deiner Scham. Ja, all diese Dinge erzählen etwas über dich, doch sie machen dich nicht schön, ganz im Gegenteil. Du wirkst entfernt von dir selbst, im Erfüllen deiner Ansprüche oder denen, die dir die Gesellschaft vorlebt. Jede Sucht ist Ausdruck einer Sehnsucht. Und in all dieser Zeit, die du dafür vergeudest, hast du da mal wirklich etwas für dich selbst getan? Nur für dich? Ganz für dich allein? Nach innen gehört?
Was dich wirklich schön macht, ist die Mystik des Lebens: dein Erwachsenwerden, die Erfüllung deines inneren Bauplanes, das Finden deiner inneren Strukturen und Stärken, deiner Beweggründe, dein Sein, deine Jugendlichkeit, dein Reifen, deine Menschlichkeit und Würde und dein Altern, auch dein Sterben. All das macht DICH schön. Dafür brauchst du nicht einmal etwas zu tun, nur SEIN. Dann kommt alles von selbst.
Irgendwo bist DU schön. Ja. Du bist schön. Tief in Deinem Inneren bist Du wirklich wunderschön. Von dort aus leuchtest Du in die Welt hinaus und alle können es sehen. Weil Du ganz Du selbst bist, weil Du weißt, wer Du bist, woher Du kommst und was Dich nährt. Nichts kann dich mehr von Deinem Weg abbringen. Es gibt keinen Grund mehr. Alles andere ist fad und geschmacklos geworden, ja sinnentleert, in gewisser Weise enttarnt.
Meine Freude über die Schönheit der Natur ist ein Hauptthema meiner Arbeit als Künstlerin. Die Pflanzen im Allgemeinen und die Blüten im Besonderen berühren mich in ihrer Anmut und Schönheit, Zartheit und Verletzlichkeit – das Zusammenspiel der Formen, der Blütenblätter und der Blüte selbst, die feinen Farbabstimmungen, die Farbenpracht, ihre Ursprünglichkeit und Vergänglichkeit überraschen mich jedes Jahr aufs Neue.
Die Blütenknospe, das Aufbrechen, Entfalten und Aufblühen der zarten Blütenblätter, die in der Hochzeit stehende Blüte umgarnt von sinnlichen Düften und Transparenz, sonnenbeschienen, im Wind gewogen – ein berauschendes Fest für die Sinne – und schließlich das Welken, der langsame Zerfall: ein Prozess, dem ich so viel Lebensweisheit abgewinne, der mich mit Respekt und Achtung erfüllt und mir immer wieder Zufriedenheit schenkt.
In meinen Arbeiten halte ich diese Beobachtungen und Empfindungen fest, die stillen Momente, das Staunen und Bewundern, das innere Aufleuchten, wenn ich teilhaben darf an den schönsten Schauspielen der Natur, auch wenn es ein ganz Kleines ist, meine Freude darüber und Dankbarkeit.
Und mit jedem Stückchen, dass ich von diesen großen und kleinen Wundern in mir selbst entdecke, fühle ich mich dem Sinn des Lebens ein bisschen vertrauter.